Zitatgrafik zum Thema Millennial Moms über die frühen 2000er: Lipgloss, Vodka Red Bull und fragwürdige Lebensentscheidungen.

Vom Vodka Red Bull zum Gua Sha

Im Körper der Millennial Mom schlagen zwei Herzen. Oder besser gesagt: Es gibt zwei Versionen von ihr.

Die erste Version trug Minikleider im Bondage-Stil, die nur durch beherztes Herumzupfen halbwegs in Position gehalten wurden. Dazu Smokey Eyes, die spätestens um zwei Uhr früh aussahen, als würden sie hauptberuflich in einer Kohlemine arbeiten. Und Schuhe, die sie locker zehn bis zwölf Zentimeter größer machten. Konnte man damit gehen? Hell no. Aber man konnte damit hervorragend auf Tischen und Bartresen tanzen.

Die zweite Version steht an Werktagen um 6:13 Uhr in der Küche. In Loungewear. Mit einem lauwarmen Kaffee in der Hand und der leisen Hoffnung, dass vor sieben Uhr niemand „Mamaaaa“ ruft, während sie versucht, sich an den unglaublich wichtigen Punkt auf der geistigen To-do-Liste zu erinnern, der gerade eben noch da war – und jetzt plötzlich verschwunden ist.

Willkommen im Leben der Millennial Moms.

Und ja – es sind tatsächlich dieselben Frauen.

Was diese beiden Versionen voneinander trennt, sind ungefähr zwanzig Jahre Lebenszeit.

Zitatgrafik über Millennial Moms und Schönheitsideale der 2000er: Selbstwertgefühl ähnlich niedrig wie Low-Rise-Jeans.

Kompetent im Treffen fragwürdiger Entscheidungen

In den 2000ern war ich eine junge Frau. Ich hatte keinen blassen Schimmer von der Zukunft – aber Gott, ich hatte Pläne für den Abend.

Freitagabend bis Sonntagmorgen opferte ich meistens einem riesigen schwarzen Loch namens Filmriss.

Ich traf mich mit Freundinnen zum Vorglühen, damit wir uns das Geld für die Drinks im Club sparen konnten. Der richtige Zeitpunkt zum Aufbruch war gekommen, wenn sich bei Vernunft und Körper gleichermaßen Koordinationsprobleme einstellten.

Danach stolperten wir in irgendeinen R’n’B-Club, tanzten hemmungslos und waren bereit, im Laufe der Nacht mehrere Dinge zu verlieren: die Stimme, die Würde und gelegentlich auch das Zeitgefühl.

Die Nacht endete nicht selten bei McDonald’s. Mit verschmiertem Make-up, einem Burger und dem Wissen, dass man die nächsten Tage über der Frage brüten würde, ob er sich melden würde.

Spoiler: Er tat es meistens nicht.

Dafür erwachten wir am nächsten Morgen mit dem Gefühl, dass der eigene Schädel mit einem Presslufthammer bearbeitet wird – und mit ein paar existenziellen Fragen:

Wer ist der Typ neben mir?
Wessen Telefonnummer steht auf meinem Unterarm?
Und vor allem: Habe ich wirklich in meine Handtasche gekotzt oder war das nur ein erschreckend realistischer Traum?

Die frühen 2000er waren in vieler Hinsicht eine interessante Zeit.

Pädagogisch … eher fragwürdig.

Zitatgrafik über die wilden 2000er-Jahre der Millennials: Zigaretten, Wodka und schlechte Entscheidungen.

Was uns die 90er und frühen 2000er beigebracht haben

Wir sind die Generation, die mit Zeitschriften aufgewachsen ist, die uns erklärten, wie man Männer aufreißt, wie man dünner wird und welche Jeans unseren Po am besten aussehen lassen.

Außerdem sind wir die Generation, die Arschgeweihe glorifiziert hat und es sich zur Aufgabe machte herauszufinden, wie tief eine Jeans eigentlich auf der Hüfte sitzen kann, bevor sie physikalisch an ihre Grenzen gelangt.

Was uns niemand erklärt hat ist, wie man Grenzen setzt.
Dass Selbstwert nichts mit Kleidergröße zu tun hat.
Oder dass wir niemandem gefallen müssen, um wertvoll zu sein.

Viele von uns verbringen heute einen erstaunlichen Teil ihres Erwachsenenlebens damit, genau diese Geschichten neu zu schreiben. Wir lesen Bücher über Selbstwert, sprechen über alte Muster, lernen Gefühle ernst zu nehmen und versuchen langsam zu entwirren, was uns damals beigebracht wurde.

Heute nennt man das „Healing“.

Eine ganze Generation von Frauen, die sich Selbstliebe und Respekt beibringt, weil es früher offenbar niemand wichtig genug fand, uns diese Dinge zu lehren.

Zitatgrafik über Millennials der frühen 2000er: „Generation Arschgeweih“ als humorvolle Erinnerung an Y2K-Trends.

Heute jonglieren wir ein ganzes Leben

Inzwischen sind viele von uns Mütter.

Und plötzlich besteht das Leben aus einer Mischung aus Job, Familie, Verantwortung und einem Mental Load, der sich manchmal anfühlt wie ein unsichtbarer Rucksack voller Einkaufslisten, Arzttermine, Elternabende und der ewigen Frage: Was koche ich heute eigentlich?

Wir versuchen gleichzeitig präsent, liebevoll, organisiert, beruflich kompetent, emotional reflektiert und halbwegs ausgeschlafen zu sein.

Und wir versuchen unseren Kindern etwas zu geben, das uns selbst oft gefehlt hat: ein emotionales Sicherheitsnetz.

Wir wollen, dass unsere Kinder anders aufwachsen als wir.
Mit mehr Selbstvertrauen.
Mit einem gesunden Gefühl für ihre eigenen Grenzen.
Mit dem Wissen, dass ihr Wert nichts mit ihrem Aussehen zu tun hat.

Und während wir ihnen genau das beibringen, arbeiten wir oft gleichzeitig daran, es selbst erst richtig zu lernen.

Das ist vermutlich eine der größten Aufgaben unserer Generation.

Zitatgrafik über Millennial Moms und Clubnächte der frühen 2000er: Abschminken galt nach Partynächten als überbewertet.

Die neue Religion: Skincare, Supplements und zehn Minuten Ruhe

Hätte mir früher jemand erzählt, dass ich zwei Jahrzehnte später kein einziges Paar High Heels mehr besitzen würde und mein Leben in Sneakers verbringen würde, hätte ich vermutlich laut gelacht.

Oder zumindest sehr dramatisch die Augen gerollt.

Stattdessen besitze ich heute Gua-Sha-Steine und Seren. Und ich gerate in schiere Verzückung, wenn ich eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 finde, die sich wie eine Feuchtigkeitscreme auftragen lässt und nicht klebt.

Früher drehten sich meine Gedanken um Kerle.

Heute überlege ich, ob alles für den Kindergeburtstag vorbereitet ist und ob die 23 Euro für die Schulexkursion wirklich in der Elternpostmappe gelandet sind.

Selfcare klingt manchmal nach Luxus.

Für mich als Millennial Mom ist es eher eine Form von Schadensbegrenzung.

Vielleicht auch der einzige Grund, warum ich halbwegs jung und frisch aussehe – obwohl ich aus einer Zeit stamme, in der Nikotin als natürliche Hungerbremse verkauft wurde und wir Energydrinks grundsätzlich mit Wodka mischten.

Zitatgrafik zum Thema Millennial Moms über die frühen 2000er: Lipgloss, Vodka Red Bull und fragwürdige Lebensentscheidungen.

Und dann läuft plötzlich ein Song aus den frühen 2000ern

Und trotzdem ist sie noch da.

Diese andere Frau.
Diese frühere Version von mir.

Um sie wieder hervorzulocken, braucht es nicht viel. Ein Song im Radio. Eine Playlist aus den 2000ern.

Und plötzlich passiert etwas Merkwürdiges.

Während ich Wäsche zusammenlege, beginnen meine Hüften ganz von allein zu zucken. Der Körper erinnert sich an Tanzbewegungen, als wären sie irgendwo tief im Muskelgedächtnis abgespeichert.

Für einen kurzen Moment ist sie wieder da.

Die Frau im Minikleid.
Mit verschmiertem Kajal.
Ohne Lebensplan – aber mit der unerschütterlichen Überzeugung, dass schon alles irgendwie gut werden würde.

Manchmal stehen sich diese beiden Frauen in meinem Kopf gegenüber und betrachten sich voller Staunen.

Unfähig zu begreifen, dass sie eigentlich ein und dieselbe Person sind.

Zwei Endpunkte derselben Skala.

Zitatgrafik über Millennials der frühen 2000er: High Heels höher als unser Selbstwert – typische Y2K-Beautyideale.

Die Wahrheit über Millennial Moms

Gott, mein früheres Ich war alles andere als perfekt.

Aber mein heutiges Ich ist es auch nicht.

Vieles habe ich auf die harte Tour gelernt. Ich bin müder als früher – aber auch reflektierter. Ich habe gelernt, Grenzen zu setzen und die ersten Symptome meines alternden Körpers zu googeln.

Stichwort: Perimenopause.

Aber wisst ihr was?

Ich bin auch stolz auf uns.

Wir sind die Generation, die irgendwann beschlossen hat, dass manche Dinge einfach anders laufen müssen.

Dass Selbstwert nicht verhandelbar ist.
Dass Gefühle Platz haben dürfen.
Und dass unsere Kinder das lernen sollen, was wir erst als Erwachsene verstanden haben.

Ich glaube, wir sind die Generation, die heilt – während sie gleichzeitig die nächste Generation erzieht.

Und das ist, wenn man ehrlich ist, eine ziemlich große Aufgabe.

Und ganz ehrlich?

Heute habe ich oft keine große Lust mehr auszugehen.

Ich schätze es sehr, abends mit eingecremter Haut im Bett zu liegen und ein gutes Buch zu lesen.

Und dann treffe ich meine Freundinnen. Wir erinnern uns daran, wie wir jung waren und verrückte, völlig fragwürdige Dinge getan haben.

Ein anderes Leben.

Meistens rolle ich mit den Augen, wenn ich an die Frau von damals denke.

Aber manchmal vermisse ich sie auch.

Dann denke ich an die junge Frau, die ich einmal war. Ein Kind ihrer Zeit. Eine Frau, die tanzte, als gäbe es kein Morgen. Die irgendwann barfuß nach Hause ging, die High Heels in der Hand, während der nahende Sonnenaufgang den Himmel langsam rosa färbte.

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